Die Genossenschaftsidee – eine Chance für eine orientierungslose Welt
Die Genossenschaftsidee – eine Chance für eine orientierungslose Welt
Als die Genossenschaftsidee in ihrer deutschen Version geboren wurde, trafen ihre Gründerväter Friedich-Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch (eigentlich: Hermann Schulze, aus Delitzsch) auf schwierige soziale Verhältnisse, Armut war ein Begleiter vieler Menschen.
Die Genossenschaftsidee, deren Kerngedanke darin besteht, dass es der Zusammenschluss von Menschen, die Kooperation vieler ist, die das Los der Individuen verbessern kann, hatte einen großen Anteil daran, dass sich die wirtschaftliche Situation der Menschen steig verbesserte.
Der Wohlstand in Deutschland wuchs und erreichte in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg unerreichte Höhen.
Der Aufwärtstrend war scheinbar unbeirrbar, rund 70 Jahre Frieden und Wohlstand in Freiheit erschienen unumkehrbar.
Dann folgten unerwartete Erschütterungen: zuerst bewegte eine Pandemie mit Beginn des Jahres 2020 die Welt und blieb bis etwa Mitte 2022 unser erschreckender Begleiter. Ökonomisch lösten die von ihr verursachten Verwerfungen den ersten Inflationsschock aus.
Als sich die Weltwirtschaft langsam von der COVID-19-Pandemie zu erholen begann, folgte im Februar 2022 der bis heute andauernde Ukraine-Krieg. Ökonomisch führte er zum zweiten Inflationsschock und einer permanenten Fragilität der Weltwirtschaft, die jederzeit das Potenzial für schwere auch realwirtschaftliche Krisen beinhaltet.
Zusammenfassend: die Welt ist instabil. In einem Ausmaß, wie wir es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben.
Diese disruptiven Entwicklungen innerhalb weniger Jahre verbinden sich mit strukturellen langfristigen Veränderungen, die die Welt und damit auch Deutschland grundlegend zu verändern begonnen haben; mit einem völlig offenen Ausgang:
Klimawandel
Während auf politischer Ebene unverändert der Kampf über die Ursachen des Klimawandels andauert, so schreitet der Klimawandel unerbittlich voran und zwingt die Menschheit langsam, aber kontinuierlich in ein verändertes ökologisches Umfeld. Die Folgen werden zunehmend spürbar als eine der größten Herausforderungen für die nächsten Generationen überhaupt.
Niedergang der Institutionen
Kirche, Parteien, Gewerkschaften und viele andere verbindet ein massiver Vertrauensverlust der Menschen. Diese Institutionen, bisher Grundpfeiler auch Deutschlands, geraten immer stärker unter Druck.
Geopolitik
Die Zeit der westlichen Dominanz, unter Führung der USA, scheint sich dem Ende zuzuneigen und diese Dynamik löst bereits kurzfristiger als der vergleichsweise „leise“ Klimawandel Verunsicherung aus. Die Welt bewegt sich hin zu einer neuen, multipolaren Ordnung, befindet sich aber seit Jahren im Zustand zunehmender Unordnung. Das alte System schwindet, das neue ist nur in Ansätzen erkennbar.
Demografie
Die nun rasch einsetzende Überalterung der Gesellschaft, alles Andere als unvorhersehbar, aber politisch so behandelt, verursacht bereits massive Probleme auf dem Arbeitsmarkt und trifft die Sozialsysteme in aller Härte. Der Sozialstaat in seiner bisherigen Form kann so nicht bestehen bleiben, ohne dass die Staatsfinanzen zerrüttet werden.
Dieser Effekt ist noch schneller, als der aus der Geopolitik entstehende.
Künstliche Intelligenz
KI kann die einflussreichste technologische Revolution seit dem Erscheinen des Internets werden. Ihre bisher dominierende Variante, die generische KI, ist hinsichtlich des Potenzials dieser Technologie nur die Spitze des Eisbergs.
Die Bedeutung der KI für die Arbeitsgesellschaft wird derzeit nur im Ansatz verstanden.
Dabei hat KI schon begonnen, die Arbeitsmärkte zu destabilisieren; mit noch unabsehbaren Folgen für die Sozialsysteme: wie viele Arbeitsplätze werden völlig ersetzt durch KI? Wird genug Arbeit für Menschen verbleiben? Muss die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen revitalisiert werden?
Kann die Genossenschaftsidee helfen, um diese elementaren Herausforderungen zu meistern?
Die Antwort ist eindeutig: Ja, das kann sie!
Die Genossenschaftsidee hat folgende Stärken, die ihre Zeitlosigkeit erklären:
Humanistischer Ansatz
Genossenschaft bedeutet Solidarität, menschliche Wärme. Menschen stehen füreinander ein. Je härter die Zeiten, desto wichtiger ist ein kulturelles Lagerfeuer.
Parteipolitische Neutralität
Die Idee basiert auf tiefen Werten, die mit allen relevanten demokratischen Strömungen gut vereinbar sind. Sie beinhaltet auch implizit den grundgesetzlichen Wertekanon.
Branchenoffenheit
Ob Agrarwirtschaft, Kreditwesen, Energieversorgung, Wohnraum oder Handel: in all diesen und unzähligen anderen Bereichen der Volkswirtschaft kann die Genossenschaft als Organisationsform zum Wohle ihrer Mitglieder gewählt werden.
Zeitlosigkeit
Genossenschaft funktionierte gestern. Sie funktioniert heute. Und sie wird morgen funktionieren. Ihre Skalierbarkeit und Elastizität macht sie zu einem Evergreen der Organisationsformen.
Nachhaltigkeit
Genossenschaften sind „built to last“. Nachhaltigkeit ist ihre DNA.
Fazit:
Die Genossenschaftsidee bietet Orientierung in bewegten Zeiten. Diese Chance sollte das Land nutzen.
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